Donnerstag, 15. Juni 2017

Etappe 13: Skaftafell - Hrollaugsstaðir, 82 km

Heute früh schien die Sonne und wir mochten uns gar nicht so richtig vom Frühstück lösen. Es ist 11 Grad und Dörte fängt schon an, über die Hitze zu jammern (kein Scherz – das tut sie wirklich!)

Die ersten 20 Kilometer rollte es gut, weil die Straße durch die Bergkette vor dem Wind geschützt war. Dann kam die Kurve und plötzlich war es anders: Gegenwind beträchtlicher Stärke. Mit der Zeit ließ er aber nach, genauso, wie en.vedur.is es vorausgesagt hatte.

Das Highlight kam heute nach 56 Kilometern: Der See Jökulsárlón, eine Gletscher-Lagune. Hier trifft der Gletscher fast direkt auf das Meer, nur ein kleiner Damm und ein etwa 1 km langer Fluss trennen die beiden. Teile des Gletschers brechen ab und schwimmen als Eisberge in skurrilen Formen durch den See.
Wenn die Eisberge zu groß sind, passen sie nicht durch den Abfluss des Sees und müssen erst zerbrechen oder auftauen. Wenn sie dann klein genug sind, fließen sie ab und werden teilweise durch Ebbe und Flut an den schwarzen Strand gespült. Da liegen sie wie Diamanten.
Wir haben unsere Kreditkarte wieder schwer belastet und sind mit einem Schlauchboot über den See bis zum Gletscher gefahren. Dazu haben wir Overalls und Rettungswesten bekommen.
Ganz nah durften wir nicht an den Gletscher heranfahren, denn er verläuft unterirdisch weiter. Und ab und zu löst sich da mal ein Teil und taucht dann auf wie ein U-Boot – und das will man nicht unter seinem Schlauchboot haben. 

Die Eisberge haben verschiedene Farben – am besten gefiel mir das tiefe Blau. Aber es gab auch schwarzes Eis (eingeschlossene Asche) und Schichten wie Jahresringe, die von der Asche der einzelnen Eruptionen stammen.
Nach einer Stunde Bootsfahrt bei Sonnenschein fing es doch noch an zu regnen. Ich habe den Regen bei einer kurzen Pause im Auto ausgesessen und bin dann trocken bis zum Zielort gekommen. Hier war mal ein Zeltplatz, aber er ist nicht mehr in Betrieb. Wir haben den Nachbarn gefragt und er hat gesagt, dass wir heute ausnahmsweise hier stehen dürfen, wenn wir alles wieder mitnehmen. Diese Ausnahme macht er wohl nur für Radfahrer, denn zwischen Höfn und Skaftafell gibt es keinen Zeltplatz. Abends um 21 Uhr kam noch eine Rangerin und war ebenfalls gnädig mit uns und schickte uns nicht weg. Stattdessen gibt sie uns sogar die Gelegenheit, ihre Toilette zu benutzen.

Jeff und Pat, ein Radlerpaar aus Australien, übernachten hier neben uns im Zelt. Sie fahren in der anderen Richtung und haben schon viele Radtouren auf der ganzen Welt gemacht. Das hat natürlich Spaß gemacht, bei einem Bier die Erfahrungen auszutauschen.

Da wir hier keinen weiteren Tag stehen dürfen, werde ich morgen wie geplant weiter radeln. Gletscherwandern ist dann für übermorgen angesagt.


Anmerkungen von Dörte:
Um die Brücke zu schützen, müssen alle vier Jahre (so ungefähr jedenfalls) die Buhnen, die in den Abfluss des Sees ragen, erneuert werden. Besser, die Eisberge donnern dagegen als gegen die Brückenpfeiler.
Übrigens habe ich heute begriffen, warum die Isländer bei den vielen einspurigen Brücken über Touristen stöhnen. Hier war jemand trotz Gegenverkehr auf die Brücke aufgefahren und traute sich dann nicht rückwärts wieder runter. Er musste tatsächlich eingewiesen werden und schwankte dann auch noch immer von einer Straßenseite zur anderen.

Anmerkungen Jan:
Apropos Brücke: Diese Hängebrücke ist ein besonders hübsches Exemplar. Der Fahrbahnbelag besteht übrigens aus Stahlgeflecht, das auf Holzbohlen verschraubt ist.

Mittwoch, 14. Juni 2017

Etappe 12: Hörgsland - Skaftafell, 62 km

Heute bin ich früher gestartet als sonst, denn für den Nachmittag war heftiger Gegenwind – um nicht zu sagen Sturm – angekündigt. Die Webseite en.vedur.is ist da sehr genau und man kann mit einem Schieberegler Stunde für Stunde die Vorhersage für Wind und Regen abfragen. Das hat heute auch wunderbar geklappt, während der Fahrt war es windstill und auf dem Zeltplatz am Zielort hat es uns fast umgeweht.

Nach etwa 5 Kilometern habe ich bei der Felsgruppe Dverghamrar gehalten und einen kleinen Rundgang gemacht. Geologisch sind die Basaltsäulen interessant, mythologisch wohl eher, dass hier Zwerge gewohnt haben sollen. Basaltsäulen habe ich gesehen, die Zwerge blieben für mich unsichtbar.

Danach ging es wieder kilometerlang über ein Lavafeld. Es ist der Teil des Lavaflusses vom Laki-Ausbruch 1783, der östlich von Kirkjubæjarklaustur runtergekommen ist. Und er sieht genauso aus wie der auf der anderen Seite.

Neu war dann der Skeiðarársandur. Dies ist ein etwa 30 km breites Schwemmland, durch das die großen Gletscherabflüsse des Vatnajökull verlaufen. Heute sahen sie harmlos aus, aber etwa alle 5 Jahre kommt es zu großen Gletscherläufen, wenn sich Seen unter dem Gletscher plötzlich entleeren – sei es durch Vulkanismus oder durch das Brechen von Eisdämmen. Dann fließt hier die 100-fache Wassermenge durch und es kann sein, dass dadurch die Straße oder Brücken fortgerissen werden. Zum letzten Mal ist das 1996 passiert, Teile einer zerstörten Brücke sind als Mahnmal aufgestellt. Man sieht auf dem Foto auch, dass der Gletscher hier mit einer Gletscherzunge fast bis an die Ringstraße ran geht!

Obwohl der letzte Gletscherlauf schon mehr als 5 Jahre her ist, gibt es kaum Vegetation. Man fährt durch eine Steinwüste.

Am Zeltplatz schien die Sonne, erst 2 Stunden nach der Ankunft kam der Sturm. Ich konnte den aufkommenden Sturm schon vorher über dem Küstenstreifen sehen – dort zogen die Wolken nämlich mit beträchtlicher Geschwindigkeit nach Westen. Hier liegen wir aber etwas geschützt hinter einem Berg.

Am Nachmittag wollten wir uns den Wasserfall Svartifoss ansehen. Das sollte ein kleiner Spaziergang sein, in der Beschreibung stand aber nichts von steil bergauf. Beim ersten Wasserfall haben wir Fotos gemacht und uns dem dort liegenden Geocache gewidmet.

Der Geocache führte uns zu einem Mini-Wasserkraftwerk, das bis 1973 in Betrieb war. Solche privaten Kraftwerke soll es hier früher viele gegeben haben.
Wieder unten gingen wir ins Besucherzentrum, um einen Film über die Gegend anzusehen. Bemerkenswerterweise war der Film kostenlos. Anschließend haben wir in der Cafeteria eine Suppe gegessen (eine Schüssel für 15 Euro – aber endlich mal was Warmes!).
Anhand der Bilder an den Wänden wurde uns langsam klar, dass wir unseren Spaziergang zu kurz  gestaltet hatten. Der Wasserfall, den wir gesehen und fotografiert hatten, war gar nicht der Svartifoss. Der lag noch etwa 1 km weiter und 100 Meter höher. Was blieb mir anderes übrig – ich bin nochmal losmarschiert.
Ich muss jetzt noch entscheiden, ob ich morgen von hier eine Gletscherwanderung machen will oder ob das übermorgen von der nächsten Station aus geschehen soll.

Dienstag, 13. Juni 2017

Etappe 11: Vík - Hörgsland, 81 km

Heute früh ging es ganz schön geschäftig her auf dem Campingplatz. Im Reiseführer war er als am besten gehütetes Geheimnis Islands angekündigt. Das war wohl mal, die Schlange vor den 3 Männerklos war richtig lang. Und die Damen-Dusche gab nur kaltes Wasser, deshalb hatte Dörte einen Gang ins lokale Schwimmbad geplant.

Los ging es auf den ersten 10 Kilometern mit etwas Gegenwind, der sich aber später legte. Der erste Abschnitt war wieder Schwemmland (so ca. 20 km), aber diesmal nicht kultiviert. Es war eine scheinbar endlose Wüste von Alaska-Lupinen. Diese Blumen hat man hier mal eingeführt, um den Boden zu verfestigen. Das tut sie auch wunderbar, vermehrt sich aber ungeheuer. Teilweise frisst sie sich sogar in den Asphalt rein und macht ihn kaputt. Die Isländer sehen sie inzwischen als Plage an, aber für Touristen ist es in der Blütezeit schön.

Am Ende der Lupinenstrecke beim Übergang in ein 40 km breites Lavafeld hat Dörte das erste Mal auf mich gewartet. Das Schwimmbad hatte zu, deshalb war sie so schnell da. Das Lavafeld war auch geprägt von ewig langen geraden Strecken, aber diesmal war nur Moos und Gras in der Gegend zu sehen.
Ab und zu gab es rosa Tupfer in der Landschaft. Das waren blühende Moose, etwa 5 Millimeter hoch.
Das Lavafeld stammt von dem Ausbruch des Vulkans Katla aus dem Jahre 934. An einer Stelle hat der Lavastrom ein großes Gutshaus zerstört. Diese Stelle ist durch eine kleine Lava-Erhebung markiert und es ist Sitte, dass jeder Reisende, der hier vorbeikommt, einen Stein ablegt, damit er eine glückliche und ungefährdete Reise hat. Das haben wir natürlich auch gemacht!
Dann kamen 15 km andere Lava. Diese Lava war jünger und deutlich poröser und ähnelte der Lava auf der Halbinsel Reykjanes. Sie stammt vom Ausbruch des Vulkans Laki aus dem Jahre 1783. Damals ist so viel Asche produziert worden, dass in ganz Europa das Wetter verrückt spielte und es zu Missernten kam. Auf einer Info-Tafel wird sogar spekuliert, dass der Zeitpunkt der französischen Revolution mit der Hungersnot, die durch diesen Vulkanausbruch entstand, zusammenhängt. So richtig viel kann man von dem kleinen Aussichtspunkt nicht sehen – Lava halt.
Kurz vor dem Ort Kirkjubæjarklaustur (da sonst nicht viel los war, konnte ich den Namen gut üben!) gab es noch 5 km lang Pseudo-Vulkane. Die hatte ich schon am Mývatn gesehen, dort waren sie mir aber nicht so aufgefallen. Sie heißen Pseudo-Vulkane, weil sie nicht durch Explosionen von Magma entstanden sind. Stattdessen sind sie durch Dampfexplosionen entstanden, wenn heiße Lava auf Wasser trifft.

Kirkjubæjarklaustur ist der einzige echte Ort zwischen Vík (72 km nach Westen) und Höfn (201 km nach Osten). Ich hatte Dörte schon aufgezogen, ob der Kraftstoff wohl reicht, denn sie hatte vergessen, in Vík zu tanken. Hier gab es aber dann doch eine Tankstelle (obwohl das auf der Karte nicht erkennbar war).

Hier gibt es als Sehenswürdigkeit vor allem den „Kirchenfußboden“. Da stand allerdings nie eine Kirche, es handelt sich um die Oberkante einer Basaltsäulenformation. Sieht aus wie gepflastert, ist aber alles von der Natur selbst gebaut worden.

Dörte hat immer wieder angehalten und auf mich gewartet und war auch jetzt in dem Ort erst einmal Besorgungen machen. So kam es, dass ich als Erster am Zielort war. Der Campingplatz ist völlig einsam und hat keinen Strom, aber für eine Nacht geht das ganz gut. Und es ist eine schöne Abwechslung zu gestern, da war es mir echt zu voll.
Ach ja: Da Dörte nicht da war, war auch kein Feierabendbier da. Da ich ja sowieso einmal isländisches Bier probieren wollte, habe ich mir eine Dose gekauft – für sage und schreibe 10 Euro!

Anmerkungen von Dörte:
Klaustur ist ein ländliches Versorgungszentrum. Dazu gehört natürlich unbedingt ein Schwimmbad. Also konnte ich den ausgefallenen Schwimmbadbesuch vom Morgen nachholen. Übrigens gibt es im Bad Kaffee umsonst. Angesichts der üblichen Kaffeepreise (ca. 3,50) ist der Eintritt mit 9,-- Euro also nahezu geschenkt.

Montag, 12. Juni 2017

Etappe 10: Hvolsvöllur - Vík, 86 km

Ich vergaß gestern zu erwähnen, dass ich beim Go-Spielen wieder aufgeholt habe. Beim Warten auf die Fähre haben wir eine Partie mit 5 Steinen Vorgabe gespielt, die ich sicher und solide gewonnen habe. Demnächst geht es also wieder mit 6 Steinen weiter.

Das Wetter war heute wieder klasse und der Wind war vernachlässigbar. Sogar die Temperaturen sind schon fast sommerlich mit 13 Grad. Windrichtung und -stärke sowie Temperatur werden von den nächsten Wetterstationen häufig am Straßenrand auf einem Schild angezeigt. In Hvammur gab's Wind aus Südost (Ost=Austur) mit 3 m/s und in Steinar aus Südwest, ebenfalls mit 3 m/s.

Die ersten 20 km waren wie bei der vorigen Etappe, nur mit deutlich weniger Verkehr. Dann macht es auch mehr Spaß, selbst wenn es gerade Strecken durch Schwemmland sind. Aber bereits der erste Berg am Horizont hielt eine Überraschung bereit: Den Seljalandsfoss. Dieser Wasserfall hat die Besonderheit, dass man hinter dem Wasserfall durch eine Höhle längs gehen kann!
Auf den nächsten Kilometern gab es einige kleine Parkplätze mit Informationstafeln und alle waren interessant. Früher gab es hier Unterstände, damit die Milchkannen im Sommer vor der Hitze geschützt waren. Auch Kinder, die auf den Schulbus warteten, haben sie benutzt. Heute gibt es sie kaum noch, aber hier stand noch ein Exemplar.
Früher wurden auch Höhlen im Fels für den bäuerlichen Betrieb genutzt. Hier waren früher mal ein Heuschober und eine Schmiede drin.
Wir sind heute unten um den Eyafjallajökull herumgefahren. Dementsprechend gab es auch ein Visitor Centre, in dem man einen 20-minütigen Film über den Vulkanausbruch von 2010 ansehen konnte. 8 Euro waren mir dafür aber zuviel.
Und dann kam der Skógafoss, der auf Fotos sogar noch schöner aussieht als der erste Wasserfall des Tages. Hier hat Dörte mich nach etwa 50 km eingeholt und wir konnten ihn gemeinsam besichtigen. Da ich beim ersten Wasserfall pitschnass geworden bin, habe ich diesmal den Fahrradponcho genommen und bin ganz nah ran gegangen.

In dem Sprühnebel sieht man dann einen kreisrunden Regenbogen von etwa 3 m Durchmesser.

Auch der Rest der Etappe flutschte gut. Ich habe noch zwei Geocaches gefunden und die zwei kleinen Berge kurz vor Schluss  (darunter 1 km mit 12% Steigung) haben mich nicht lange aufgehalten.

Ich habe dann zunächst geduscht und zum ersten Mal eine Dusche gesehen, die keinen Wasserhahn hatte. Man musste auf einen Lichtschalter drücken, dann ging die Dusche für 60 Sekunden an. Die Wassertemperatur war genau richtig – man hätte sie auch nicht verstellen können. Nach dem Duschen ist Dörte mit mir noch einmal an den schwarzen Strand gefahren. Hier wird – genau wie Doris das gesagt hat – vor Monsterwellen gewarnt und es wird auch über die beiden Todesfälle in den letzten Jahren berichtet. Dementsprechend waren wir vorsichtig und haben immer ein Auge auf das Meer gehabt.
Hier gibt es zwei wunderschöne Höhlen aus Basaltsäulen. Am Rand sehen sie aus wie Orgelpfeifen und wir haben uns auf einem Basaltpodest fotografieren lassen.

Ein ereignisreicher und schöner Tag!

Anmerkungen von Dörte:
Ich bin morgens erstmal in ein Schwimmbad gegangen. Vier 25 m – Bahnen, eine Rutsche, ein Planschbecken und diverse HotPots – alles draußen natürlich. Nach meinen zehn Bahnen bin ich in den Pot für ältere Damen gegangen. Da gibt es offensichtlich eine klare Aufteilung. Die Jungs und die Mädels hatten jeder einen eigenen für sich erobert und Damen in meinem Alter tauchten ganz ruhig in einen in 40 Grad ohne Sprudel. So beginnt der Tag besser als mit jeder Campingdusche.

Sonntag, 11. Juni 2017

Pausentag: Westmännerinseln

Heute haben wir einen Ausflug zu den Westmännerinseln oder besser Vestmannaeyjar gemacht. Die sind ein eigenes Vulkansystem vor der isländischen Südküste und gingen 1973 durch die Weltpresse, als dort ein neuer Vulkan entstand und 5 Monate lang Lava spuckte. Man hat damals die Lava mit Seewasser gekühlt, um sie schneller zum Stillstand zu bringen. Das war nötig, um die Hafeneinfahrt zu retten, denn sonst wäre die Inselwirtschaft völlig zusammengebrochen.

Wir haben das Fährticket online gebucht und konnten keinen Ausdruck der Boarding Passes machen. Wir hatten das PDF nur auf dem Handy, aber Dörte hat mit ihrem Charme dafür gesorgt, dass man den Barcode vom Handy abscannte.

Die Überfahrt dauerte 35 Minuten und wir waren um 13:20 Uhr auf Heimaey, der Hauptinsel. Auf dieser Insel gibt es sechs Geocaches: Vier normale und zwei Earth-Caches. Zwei von den normalen Caches durfte ich nicht besuchen, weil es Dörte zu gefährlich erschien (nur so'n paar Leitern bzw. ein 5 Meter schmaler Grat ...). Ein weiterer normaler Cache sowie ein Earth-Cache befanden sich am anderen Ende der Insel, dafür hatten wir nicht genug Zeit. Also gingen wir zunächst zu dem verbliebenen normalen Cache, der in der Nähe des Hafens lag. Er sollte in dem neuen Lavafeld sein, dass 1973 entstanden ist. Wir waren leider nur zu dumm, diesen Cache zu finden!

Es blieb also nur der Earth-Cache auf dem Vulkan Eldfell. Da wollten wir ja sowieso rauf, wenn man schon mal da ist. Dies ist nämlich der jüngste Berg der Erde! 1973 war hier gar nichts außer Wiese, als die Erde aufriss und ein neuer Berg entstand. Jetzt ist er etwa 200 Meter hoch, also keine ganz große Sache. Auf halber Höhe, bevor es anfing steil und rutschig zu werden, haben wir erst einmal gepicknickt. Dann war der Rest auch recht schnell erledigt. Von oben hat man eine tolle Aussicht!


Nach dem Abstieg haben wir uns die Kirche und den Friedhof angesehen. Das ganze Dorf lag damals unter einer meterhohen Ascheschicht. Dörte zeigt auf dem Bild an, wie hoch die Asche stand!

Wir haben dann versucht, noch ein paar Papageientaucher zu sehen. Leider haben sich diese lustigen bunten Vögel uns nicht gezeigt, wir konnten nur hölzerne Werbeexemplare fotografieren.

Schließlich sind wir zur Klippe Sprangan gelaufen, um den lokalen Sport einmal auszuprobieren: Seilschwingen an Klippen. Dörte war nicht so richtig erfolgreich und ich habe es gar nicht erst versucht.

Es blieb gerade noch Zeit für einen zweiten Versuch beim nicht gefundenen Cache, leider wieder erfolglos. Auf dem Lavafeld konnten wir hölzerne Straßenschilder sehen, die anzeigen, wo etwa 20 Meter unter der heutigen Oberfläche früher mal die Wohnstraßen verliefen.
Wir waren pünktlich gegen 18 Uhr wieder an der Fähre und haben auf der Rückfahrt die Sonne an Deck genossen. Ein Super-Tag!

Anmerkungen von Dörte:

Jan, wie niedlich: dass man den Barcode per Handy vorzeigt, ist heute völlig normal. Das klappt auch bei Flugzeugen, warum also nicht bei Fähren.
Das mit den Caches ist natürlich ärgerlich, aber die zwei in erreichbarer Nähe waren wirklich zu gefährlich. Die Leitern waren ja nur an den allersteilsten Stellen angebracht und bei dem zu überquerenden Grat hat Jan den heftigen Seitenwind vergessen zu erwähnen.
Ein bisschen schlechtes Gewissen habe ich wegen des heutigen Pausentages: Heute Morgen wäre prima Rückenwind fürs Radfahren gewesen und heute Abend kommt der Wind aus der ganz anderen Richtung. Auf seinem Weg trägt er dazu noch große Staubwolken mit sich. Da muss Jan morgen durch.

Samstag, 10. Juni 2017

Etappe 9: Hafnarfjörður - Hvolsvöllur, 110 km

Die gestern erstellte Linie erwies sich als wirklich hilfreich. Bis auf eine Ausnahme bin ich auf schönen Radwegen über etwa 15 km bis zur Ringstraße gelangt. Die Ausnahme war eine Baumaßnahme, die Google Maps noch nicht kannte und die mich einen Umweg von etwa einem Kilometer kostete.
Radwege in Reykjavík – man muss sie nur finden!
Der Abschnitt auf der Ringstraße etwa bis Selfoss war heute wahrlich kein Vergnügen. Ätzend viel Verkehr, aber zum Glück gab es diesen Seitenstreifen. Nur an wenigen Stellen war er so schmal, dass ich ihn nicht benutzen konnte. Insgesamt war es dadurch zwar sicher, aber eben einfach nur eine Verbindungstour. Landschaftlich ging es auf den ersten 35 km durch die Hellisheiði, eine Hochebene von knapp 400 Metern. Nach der Abfahrt kam die Tankstelle, an der Dörte auf mich wartete. Nach dem Käsebrot haben wir uns beide noch ein Hot Dog gegönnt.
Dörte guckt seit Tagen in den Souvenir-Shops ein Kühlschrankmagnet in Form eines Schafes an. Wenn sie dieses Schaf nochmal wiedersieht, wird sie es wohl kaufen. Ob Beke das gefällt?

Die restliche Strecke war hinter Selfoss nicht mehr ganz so schlimm vom Verkehr her. Es war jetzt auch durchgehend flach und ziemlich windstill, sodass es gut rollte. Trotzdem war es etwas langweilig. Denn links und rechts gab es kilometerlang nur Weideflächen und die Strecke bestand aus langen Geraden von mehreren Kilometern. Da es aber trocken blieb, will ich nicht meckern: Es ist eben eine Verbindungstour, die Berge sind schon wieder nah, die nächsten Etappen werden spannender.
Feierabend-Bier in der Sonne
Morgen werden wir einen weiteren Pausentag machen, um die Westmännerinseln zu besuchen.

Freitag, 9. Juni 2017

Pausentag: Der goldene Ring

Der goldene Ring bezeichnet eine Rundfahrt zu den bedeutendsten Natursehenswürdigkeiten der Gegend um Reykjavik. Da sie alle nicht an der Ringstraße liegen, haben wir diese Tour mit dem Auto gemacht.

Unsere Camping-Nachbarin Vera hat uns als Tipp die Route über Nesjavellir empfohlen. Dieses kleine Sträßchen hätten wir ohne gesicherte Information, dass die Route asphaltiert ist, nie von alleine genommen. Sie führt durch ein Hochtemperaturgebiet, in dem es dampft und zischt und die Erdwärme durch Thermalkraftwerke ausgenutzt wird. Neben der Straße verläuft an einigen Stellen das dicke Rohr für die Heißwasserversorgung von Reykjavík. Nach einigen Kilometern geht es auf steilen Straßen (15%) durch ein kleines Gebirge. Ein Geocache ließ uns dort anhalten und wir haben tatsächlich einen schlafenden Drachen aus Felsgestein gesehen.

Der nächste Cache kam 2 Kilometer weiter an einem Aussichtspunkt über die Thermalkraftwerke und den See Þingvallavatn. Dörte befürchtete schon, dass wir gar nicht mehr zu den eigentlichen Sehenswürdigkeiten kommen würden. Deshalb war dies auch erst einmal der letzte Cache ...
Dann ging es nach Þingvallir. Das bezeichnet sowohl einen Ort, den Nationalpark, den Sitz eines der ältesten Parlamente und die geologische Besonderheit der Grenze zwischen zwei tektonischen Platten. Ein Rundgang ist etwa 6 km lang und dauert 2 Stunden. Wir waren zunächst am Öxarárfoss, einem schicken Wasserfall. Das Wasser fiel aus Nordamerika kommend in den Graben zwischen den Kontinenten, der hier über einige Kilometer durch Basaltwände deutlich zu erkennen war.

Weiter floss das Wasser für einige Hundert Meter in dem Graben, bis es durch eine Lücke in der Wand in das tiefergelegene Eurasien stürzte. Beeindruckend!.  

Dann ging es zum Gesetzesfelsen Lögberg. Hier wurden die Things abgehalten, hier wurden Urteile gefällt. Hier wurde auch 1944 die isländische Republik ausgerufen. Heute stand dort nur ein Fahnenmast und wegen der Windstille ist die Fahne kaum zu sehen.

Am Besucherzentrum habe ich mir das bisher teuerste Magnum-Eis meines Lebens geleistet (ca. 7 EUR), aber bei dem Super-Sonnenschein tat Abkühlung not. Weiter gings zur kleinen Kirche, in der gerade eine Hochzeit stattgefunden hatte.
Jetzt war es schon bald 15 Uhr und wir hatten immerhin die erste Hauptsehenswürdigkeit schon geschafft. Bis zum Geysir waren es noch etwa weitere 50 km. Unterwegs haben wir kurz am Laugarvatn angehalten, denn Udo und Ulli hatten berichtet, dass der ganze See warm sei. Das stimmt wohl nur für die Stelle, wo das Schwimmbad ist, und auch da würden wir sagen: Kann man drin baden, aber Badewannentemperatur ist das nicht. Es gab erstaunlich viele Insekten dort, der Preis für das Schwimmbad war höher als beim Mývatn und es sah auch nicht besser aus. Also sind wir weitergefahren.

Der Geysir ist der Namensgeber aller Geysire der Welt. Damals kannte man die Geysire in Neuseeland und im Yellow Stone Nationalpark noch nicht. Früher hat der Geysir eine Fontäne von bis zu 120 Metern gespuckt. Doch seit langer Zeit schläft er. Zum Glück hat er einen kleinen Bruder, den Strokkur: Der speit regelmäßig alle 6-10 Minuten eine Fontäne. Sie ist unterschiedlich hoch und ziemlich beeindruckend. Wohl nicht für US-Amerikaner, die ihn in Gesprächen mit Old Faithful verglichen haben, für uns aber schon!
Vom Geysir ging es zum Gulfoss. Das ist ein wunderschöner Wasserfall, der in 2 Stufen in eine tiefe Schlucht fällt. Durch gut angelegte Wege kann man sehr nahe ran, man sollte sich wegen der Gischt aber lieber Regenzeug anziehen!

Die Rückfahrt dauerte dann etwa 90 Minuten. Dabei bin ich die Ringstraße von Selfoss zurück nach Reykjavík gefahren und war erschrocken über den Verkehr. Ich hoffe mal, dass das Wochenendverkehr ist und morgen am Samstag nicht so viel los ist. Am Zeltplatz habe ich mich gleich daran gemacht, meine Ausfahrt aus Reykjavik zu planen. Google Maps war dabei nur eine halbe Hilfe: Routenplanung für Fahrrad funktionierte nicht, aber die Fahrradwege neben den vierspurigen Straßen waren eingezeichnet. Also habe ich eine Linie Punkt für Punkt markiert und hoffe, dass sie mir morgen früh hilft.