Montag, 12. Juni 2017

Etappe 10: Hvolsvöllur - Vík, 86 km

Ich vergaß gestern zu erwähnen, dass ich beim Go-Spielen wieder aufgeholt habe. Beim Warten auf die Fähre haben wir eine Partie mit 5 Steinen Vorgabe gespielt, die ich sicher und solide gewonnen habe. Demnächst geht es also wieder mit 6 Steinen weiter.

Das Wetter war heute wieder klasse und der Wind war vernachlässigbar. Sogar die Temperaturen sind schon fast sommerlich mit 13 Grad. Windrichtung und -stärke sowie Temperatur werden von den nächsten Wetterstationen häufig am Straßenrand auf einem Schild angezeigt. In Hvammur gab's Wind aus Südost (Ost=Austur) mit 3 m/s und in Steinar aus Südwest, ebenfalls mit 3 m/s.

Die ersten 20 km waren wie bei der vorigen Etappe, nur mit deutlich weniger Verkehr. Dann macht es auch mehr Spaß, selbst wenn es gerade Strecken durch Schwemmland sind. Aber bereits der erste Berg am Horizont hielt eine Überraschung bereit: Den Seljalandsfoss. Dieser Wasserfall hat die Besonderheit, dass man hinter dem Wasserfall durch eine Höhle längs gehen kann!
Auf den nächsten Kilometern gab es einige kleine Parkplätze mit Informationstafeln und alle waren interessant. Früher gab es hier Unterstände, damit die Milchkannen im Sommer vor der Hitze geschützt waren. Auch Kinder, die auf den Schulbus warteten, haben sie benutzt. Heute gibt es sie kaum noch, aber hier stand noch ein Exemplar.
Früher wurden auch Höhlen im Fels für den bäuerlichen Betrieb genutzt. Hier waren früher mal ein Heuschober und eine Schmiede drin.
Wir sind heute unten um den Eyafjallajökull herumgefahren. Dementsprechend gab es auch ein Visitor Centre, in dem man einen 20-minütigen Film über den Vulkanausbruch von 2010 ansehen konnte. 8 Euro waren mir dafür aber zuviel.
Und dann kam der Skógafoss, der auf Fotos sogar noch schöner aussieht als der erste Wasserfall des Tages. Hier hat Dörte mich nach etwa 50 km eingeholt und wir konnten ihn gemeinsam besichtigen. Da ich beim ersten Wasserfall pitschnass geworden bin, habe ich diesmal den Fahrradponcho genommen und bin ganz nah ran gegangen.

In dem Sprühnebel sieht man dann einen kreisrunden Regenbogen von etwa 3 m Durchmesser.

Auch der Rest der Etappe flutschte gut. Ich habe noch zwei Geocaches gefunden und die zwei kleinen Berge kurz vor Schluss  (darunter 1 km mit 12% Steigung) haben mich nicht lange aufgehalten.

Ich habe dann zunächst geduscht und zum ersten Mal eine Dusche gesehen, die keinen Wasserhahn hatte. Man musste auf einen Lichtschalter drücken, dann ging die Dusche für 60 Sekunden an. Die Wassertemperatur war genau richtig – man hätte sie auch nicht verstellen können. Nach dem Duschen ist Dörte mit mir noch einmal an den schwarzen Strand gefahren. Hier wird – genau wie Doris das gesagt hat – vor Monsterwellen gewarnt und es wird auch über die beiden Todesfälle in den letzten Jahren berichtet. Dementsprechend waren wir vorsichtig und haben immer ein Auge auf das Meer gehabt.
Hier gibt es zwei wunderschöne Höhlen aus Basaltsäulen. Am Rand sehen sie aus wie Orgelpfeifen und wir haben uns auf einem Basaltpodest fotografieren lassen.

Ein ereignisreicher und schöner Tag!

Anmerkungen von Dörte:
Ich bin morgens erstmal in ein Schwimmbad gegangen. Vier 25 m – Bahnen, eine Rutsche, ein Planschbecken und diverse HotPots – alles draußen natürlich. Nach meinen zehn Bahnen bin ich in den Pot für ältere Damen gegangen. Da gibt es offensichtlich eine klare Aufteilung. Die Jungs und die Mädels hatten jeder einen eigenen für sich erobert und Damen in meinem Alter tauchten ganz ruhig in einen in 40 Grad ohne Sprudel. So beginnt der Tag besser als mit jeder Campingdusche.

Sonntag, 11. Juni 2017

Pausentag: Westmännerinseln

Heute haben wir einen Ausflug zu den Westmännerinseln oder besser Vestmannaeyjar gemacht. Die sind ein eigenes Vulkansystem vor der isländischen Südküste und gingen 1973 durch die Weltpresse, als dort ein neuer Vulkan entstand und 5 Monate lang Lava spuckte. Man hat damals die Lava mit Seewasser gekühlt, um sie schneller zum Stillstand zu bringen. Das war nötig, um die Hafeneinfahrt zu retten, denn sonst wäre die Inselwirtschaft völlig zusammengebrochen.

Wir haben das Fährticket online gebucht und konnten keinen Ausdruck der Boarding Passes machen. Wir hatten das PDF nur auf dem Handy, aber Dörte hat mit ihrem Charme dafür gesorgt, dass man den Barcode vom Handy abscannte.

Die Überfahrt dauerte 35 Minuten und wir waren um 13:20 Uhr auf Heimaey, der Hauptinsel. Auf dieser Insel gibt es sechs Geocaches: Vier normale und zwei Earth-Caches. Zwei von den normalen Caches durfte ich nicht besuchen, weil es Dörte zu gefährlich erschien (nur so'n paar Leitern bzw. ein 5 Meter schmaler Grat ...). Ein weiterer normaler Cache sowie ein Earth-Cache befanden sich am anderen Ende der Insel, dafür hatten wir nicht genug Zeit. Also gingen wir zunächst zu dem verbliebenen normalen Cache, der in der Nähe des Hafens lag. Er sollte in dem neuen Lavafeld sein, dass 1973 entstanden ist. Wir waren leider nur zu dumm, diesen Cache zu finden!

Es blieb also nur der Earth-Cache auf dem Vulkan Eldfell. Da wollten wir ja sowieso rauf, wenn man schon mal da ist. Dies ist nämlich der jüngste Berg der Erde! 1973 war hier gar nichts außer Wiese, als die Erde aufriss und ein neuer Berg entstand. Jetzt ist er etwa 200 Meter hoch, also keine ganz große Sache. Auf halber Höhe, bevor es anfing steil und rutschig zu werden, haben wir erst einmal gepicknickt. Dann war der Rest auch recht schnell erledigt. Von oben hat man eine tolle Aussicht!


Nach dem Abstieg haben wir uns die Kirche und den Friedhof angesehen. Das ganze Dorf lag damals unter einer meterhohen Ascheschicht. Dörte zeigt auf dem Bild an, wie hoch die Asche stand!

Wir haben dann versucht, noch ein paar Papageientaucher zu sehen. Leider haben sich diese lustigen bunten Vögel uns nicht gezeigt, wir konnten nur hölzerne Werbeexemplare fotografieren.

Schließlich sind wir zur Klippe Sprangan gelaufen, um den lokalen Sport einmal auszuprobieren: Seilschwingen an Klippen. Dörte war nicht so richtig erfolgreich und ich habe es gar nicht erst versucht.

Es blieb gerade noch Zeit für einen zweiten Versuch beim nicht gefundenen Cache, leider wieder erfolglos. Auf dem Lavafeld konnten wir hölzerne Straßenschilder sehen, die anzeigen, wo etwa 20 Meter unter der heutigen Oberfläche früher mal die Wohnstraßen verliefen.
Wir waren pünktlich gegen 18 Uhr wieder an der Fähre und haben auf der Rückfahrt die Sonne an Deck genossen. Ein Super-Tag!

Anmerkungen von Dörte:

Jan, wie niedlich: dass man den Barcode per Handy vorzeigt, ist heute völlig normal. Das klappt auch bei Flugzeugen, warum also nicht bei Fähren.
Das mit den Caches ist natürlich ärgerlich, aber die zwei in erreichbarer Nähe waren wirklich zu gefährlich. Die Leitern waren ja nur an den allersteilsten Stellen angebracht und bei dem zu überquerenden Grat hat Jan den heftigen Seitenwind vergessen zu erwähnen.
Ein bisschen schlechtes Gewissen habe ich wegen des heutigen Pausentages: Heute Morgen wäre prima Rückenwind fürs Radfahren gewesen und heute Abend kommt der Wind aus der ganz anderen Richtung. Auf seinem Weg trägt er dazu noch große Staubwolken mit sich. Da muss Jan morgen durch.

Samstag, 10. Juni 2017

Etappe 9: Hafnarfjörður - Hvolsvöllur, 110 km

Die gestern erstellte Linie erwies sich als wirklich hilfreich. Bis auf eine Ausnahme bin ich auf schönen Radwegen über etwa 15 km bis zur Ringstraße gelangt. Die Ausnahme war eine Baumaßnahme, die Google Maps noch nicht kannte und die mich einen Umweg von etwa einem Kilometer kostete.
Radwege in Reykjavík – man muss sie nur finden!
Der Abschnitt auf der Ringstraße etwa bis Selfoss war heute wahrlich kein Vergnügen. Ätzend viel Verkehr, aber zum Glück gab es diesen Seitenstreifen. Nur an wenigen Stellen war er so schmal, dass ich ihn nicht benutzen konnte. Insgesamt war es dadurch zwar sicher, aber eben einfach nur eine Verbindungstour. Landschaftlich ging es auf den ersten 35 km durch die Hellisheiði, eine Hochebene von knapp 400 Metern. Nach der Abfahrt kam die Tankstelle, an der Dörte auf mich wartete. Nach dem Käsebrot haben wir uns beide noch ein Hot Dog gegönnt.
Dörte guckt seit Tagen in den Souvenir-Shops ein Kühlschrankmagnet in Form eines Schafes an. Wenn sie dieses Schaf nochmal wiedersieht, wird sie es wohl kaufen. Ob Beke das gefällt?

Die restliche Strecke war hinter Selfoss nicht mehr ganz so schlimm vom Verkehr her. Es war jetzt auch durchgehend flach und ziemlich windstill, sodass es gut rollte. Trotzdem war es etwas langweilig. Denn links und rechts gab es kilometerlang nur Weideflächen und die Strecke bestand aus langen Geraden von mehreren Kilometern. Da es aber trocken blieb, will ich nicht meckern: Es ist eben eine Verbindungstour, die Berge sind schon wieder nah, die nächsten Etappen werden spannender.
Feierabend-Bier in der Sonne
Morgen werden wir einen weiteren Pausentag machen, um die Westmännerinseln zu besuchen.

Freitag, 9. Juni 2017

Pausentag: Der goldene Ring

Der goldene Ring bezeichnet eine Rundfahrt zu den bedeutendsten Natursehenswürdigkeiten der Gegend um Reykjavik. Da sie alle nicht an der Ringstraße liegen, haben wir diese Tour mit dem Auto gemacht.

Unsere Camping-Nachbarin Vera hat uns als Tipp die Route über Nesjavellir empfohlen. Dieses kleine Sträßchen hätten wir ohne gesicherte Information, dass die Route asphaltiert ist, nie von alleine genommen. Sie führt durch ein Hochtemperaturgebiet, in dem es dampft und zischt und die Erdwärme durch Thermalkraftwerke ausgenutzt wird. Neben der Straße verläuft an einigen Stellen das dicke Rohr für die Heißwasserversorgung von Reykjavík. Nach einigen Kilometern geht es auf steilen Straßen (15%) durch ein kleines Gebirge. Ein Geocache ließ uns dort anhalten und wir haben tatsächlich einen schlafenden Drachen aus Felsgestein gesehen.

Der nächste Cache kam 2 Kilometer weiter an einem Aussichtspunkt über die Thermalkraftwerke und den See Þingvallavatn. Dörte befürchtete schon, dass wir gar nicht mehr zu den eigentlichen Sehenswürdigkeiten kommen würden. Deshalb war dies auch erst einmal der letzte Cache ...
Dann ging es nach Þingvallir. Das bezeichnet sowohl einen Ort, den Nationalpark, den Sitz eines der ältesten Parlamente und die geologische Besonderheit der Grenze zwischen zwei tektonischen Platten. Ein Rundgang ist etwa 6 km lang und dauert 2 Stunden. Wir waren zunächst am Öxarárfoss, einem schicken Wasserfall. Das Wasser fiel aus Nordamerika kommend in den Graben zwischen den Kontinenten, der hier über einige Kilometer durch Basaltwände deutlich zu erkennen war.

Weiter floss das Wasser für einige Hundert Meter in dem Graben, bis es durch eine Lücke in der Wand in das tiefergelegene Eurasien stürzte. Beeindruckend!.  

Dann ging es zum Gesetzesfelsen Lögberg. Hier wurden die Things abgehalten, hier wurden Urteile gefällt. Hier wurde auch 1944 die isländische Republik ausgerufen. Heute stand dort nur ein Fahnenmast und wegen der Windstille ist die Fahne kaum zu sehen.

Am Besucherzentrum habe ich mir das bisher teuerste Magnum-Eis meines Lebens geleistet (ca. 7 EUR), aber bei dem Super-Sonnenschein tat Abkühlung not. Weiter gings zur kleinen Kirche, in der gerade eine Hochzeit stattgefunden hatte.
Jetzt war es schon bald 15 Uhr und wir hatten immerhin die erste Hauptsehenswürdigkeit schon geschafft. Bis zum Geysir waren es noch etwa weitere 50 km. Unterwegs haben wir kurz am Laugarvatn angehalten, denn Udo und Ulli hatten berichtet, dass der ganze See warm sei. Das stimmt wohl nur für die Stelle, wo das Schwimmbad ist, und auch da würden wir sagen: Kann man drin baden, aber Badewannentemperatur ist das nicht. Es gab erstaunlich viele Insekten dort, der Preis für das Schwimmbad war höher als beim Mývatn und es sah auch nicht besser aus. Also sind wir weitergefahren.

Der Geysir ist der Namensgeber aller Geysire der Welt. Damals kannte man die Geysire in Neuseeland und im Yellow Stone Nationalpark noch nicht. Früher hat der Geysir eine Fontäne von bis zu 120 Metern gespuckt. Doch seit langer Zeit schläft er. Zum Glück hat er einen kleinen Bruder, den Strokkur: Der speit regelmäßig alle 6-10 Minuten eine Fontäne. Sie ist unterschiedlich hoch und ziemlich beeindruckend. Wohl nicht für US-Amerikaner, die ihn in Gesprächen mit Old Faithful verglichen haben, für uns aber schon!
Vom Geysir ging es zum Gulfoss. Das ist ein wunderschöner Wasserfall, der in 2 Stufen in eine tiefe Schlucht fällt. Durch gut angelegte Wege kann man sehr nahe ran, man sollte sich wegen der Gischt aber lieber Regenzeug anziehen!

Die Rückfahrt dauerte dann etwa 90 Minuten. Dabei bin ich die Ringstraße von Selfoss zurück nach Reykjavík gefahren und war erschrocken über den Verkehr. Ich hoffe mal, dass das Wochenendverkehr ist und morgen am Samstag nicht so viel los ist. Am Zeltplatz habe ich mich gleich daran gemacht, meine Ausfahrt aus Reykjavik zu planen. Google Maps war dabei nur eine halbe Hilfe: Routenplanung für Fahrrad funktionierte nicht, aber die Fahrradwege neben den vierspurigen Straßen waren eingezeichnet. Also habe ich eine Linie Punkt für Punkt markiert und hoffe, dass sie mir morgen früh hilft.

Donnerstag, 8. Juni 2017

Pausentag: Reykjanes und Reykjavík

Wir haben den Tag nach dem Frühstück mit einer Rundtour auf der Halbinsel Reykjanes begonnen. Eigentlich ist die ganze Halbinsel ein riesengroßes Lavafeld, das im 13. Jahrhundert entstanden ist. Darin gibt es sogar Lavahöhlen, eine haben wir uns kurz angesehen. Für die Suche nach dem Cache dort hätten wir aber Helm und Knieschützer sowie bessere Lampen mitnehmen müssen.

Das erste Ziel war die Blaue Lagune. Das ist eine der größten Sehenswürdigkeiten Islands, aber eigentlich ist es nur ein Thermal-Freibad mit milchig-blauem Wasser. Das Wasser hat dieselbe Farbe wie im Mývatn Nature Bath und es entsteht auf die gleiche Art und Weise: Die Abwässer eines Thermalkraftwerkes  werden mit kaltem Wasser auf Badetemperatur gebracht. Das alles findet hier in einer Lava-Landschaft statt, das wirkt schon sehr skurril und exklusiv. Wegen des hohen Preises (6100 Kronen in den Tagesrandzeiten), der Notwendigkeit im Internet vorzubuchen und weil wir in Myvatn schon in einem solchen Bad waren, haben wir auf den Besuch verzichtet. Wir haben aber einen Kaffee dort getrunken und konnten so von der Terrasse aus Fotos machen. Anders als angekündigt, war das Bad nicht überfüllt. Ich habe das Gefühl, dass man das jetzt über den Preis regelt und nur eine vernünftige Zahl von Leuten gleichzeitig reinlässt.
Nur wenige Kilometer weiter trafen wir auf Gunnuhver, eine beeindruckende heiße Schlammquelle.  Nachdem eine Fabrik 2006 angefangen hat, das heiße unterirdische Wasser zu nutzen, haben sich die Druckverhältnisse geändert und es hat sich der neue Krater gebildet. Durch den Dampf sind wir übrigens durchgegangen und waren hinterher klitschnass von kaltem Wasser, das offensichtlich mit hochgeschleudert wird.
Danach kamen wir zur Brücke zwischen den Kontinenten. Genau hier verläuft die Grenze zwischen der nordamerikanischen und eurasischen Platte. Man kann tatsächlich einen Graben sehen, der jedes Jahr 2 cm breiter wird und man kann ganz schnell zwischen Europa und Amerika hin- und herspazieren!
Wir haben dann noch einen Friedhof an einer hübschen Kapelle angesehen, bei einem Galgenfelsen zu Mittag gepicknickt und sind schließlich bis ganz an das Ende von Reykjanes zu den Leuchttürmen gefahren. Alles bei bestem Wetter!

Danach ging es zum Sightseeing nach Reykjavík. Dörte hat in der Tourist Information gesagt: Wir haben drei Stunden für die Stadt. Antwort: Für Reykjavík reicht das!
Rathaus von Reykjavík
Zuerst sind wir durch die Einkaufsstraße zur Hallgríms-Kirche gegangen. Das ist mal eine Kirche, die aus Beton gebaut ist und trotzdem elegant und filigran aussieht.
Hallgríms-Kirche

Der Innenraum ist riesig und fasst über 1000 Leute. Und die Orgel ist bei weitem die größte auf Island.
Jetzt ging es hinunter ans Wasser. Dort hat man aus Metall eine Skulptur in der Form eines Wikingerschiffes aufgestellt. Mit dem Hintergrund der schneebedeckten Berge auf der anderen Seite des Fjordes sieht das toll aus!
Den Schlusspunkt bildete dann die Elbphilharmonie Islands, die „Harpa“. Die ist natürlich nicht so schön, wie unsere Elphie, aber doch ganz beeindruckend. Schade, dass wir morgen Mittag keine Zeit haben – sonst hätten wir ein kostenloses Konzert anhören können. Hier haben wir übrigens Udo und Ulli wiedergetroffen.
Harpa von außen
Harpa von innen
Auf dem Rückweg habe ich noch ein Bild vom Pernan gemacht. Das ist die zentrale Warmwasser- und Heizungsversorgung von Reykjavik. Inzwischen bohrt man aber in den Vororten nach eigenen Warmwasserquellen. Es muss schon ein bisschen unheimlich sein, so „auf dem Feuer“ zu wohnen!

Mittwoch, 7. Juni 2017

Etappe 8: Bjarteyjarsandur - Hafnarfjörður, 82 km

Gestern Abend hat uns Doris, die alleine mit ihrem Camper seit Wochen unterwegs ist,  jede Menge Tips gegeben. Unter anderem den, einen anderen Campingplatz bei Reykjavík zu nehmen. Das war eine gute Idee, der Campingplatz in Hafnafjörður gefällt uns sehr gut. Die paar Kilometer mehr sind es bestimmt wert!

Heute gab es eisigen Wind. Im Norden hat es sogar geschneit, Dörte hätte dort jetzt Schneeketten gebraucht. Zum Glück war es hier im Südwesten nicht so schlimm, aber der Wind war wieder extrem stark. Auf den ersten 8 Kilometern bis zum Ende des Fjords hat mir das große Probleme bereitet – entweder als Gegen- oder als Seitenwind. Etwa einen Kilometer musste ich das Fahrrad schieben, weil ich mich auf dem Rad nicht hätte auf der Straße halten können. Zum Glück gibt es hier sehr wenig Verkehr, so dass ich auf der Mitte meiner Fahrbahn fahren konnte und bei Windböen von rechts oder links etwas Platz hatte. Nach etwa einer Stunde hatte ich das Ende des Fjords erreicht. Auf dem Foto sieht man, dass wir gerade Ebbe hatten.

Dörte hat auf der Südseite des Fjordes zweimal auf mich gewartet. Das waren immer Parkplätze mit der Aussicht auf schöne Wasserfälle.

Es waren jetzt immer noch 52 km zu fahren, aber der Wind ließ etwas nach. Der Theorie nach hätte er ja jetzt von hinten kommen sollen, aber das passt häufig nicht. Unten am Fjord fahren heißt im Übrigen auch nicht wirklich flach – bis auf über 100 Höhenmeter geht es immer wieder mal hoch. Meist wurde man dann aber mit tollen Ausblicken über den Fjord belohnt.
Schließlich erreichte ich wieder die Ringstraße und konnte auch verifizieren, dass das Radfahren auf der Tunnelstrecke verboten ist. Der Verkehr war ziemlich heftig und es gab auch ein brenzliges Überholmanöver. Ich habe mich dann entschieden, auf dem etwa 50 cm breiten Seitenstreifen mit Rüttel-Asphalt zu fahren – so ging es besser. Etwa 20 km vor Reykjavík kam ich dann auf eine 4-spurige Straße. Das wurde jetzt echt lästig, vor allem weil ich doch tolle Radwege in Reykjavík erwartet hatte. Nach etwa 10 km habe ich einfach eine Abfahrt genommen und versucht, mich so durchzuschlagen. Das ist ein bisschen blöde, wenn das Navi einen immer zurück auf die Hauptstraße senden will. Neben den Hauptstraßen laufen zwar meistens (aber nicht immer) Radwege, aber manchmal links und manchmal rechts daneben. Und wann man eine Unterführung oder Brücke nehmen soll oder nicht, ist Gefühls- und Glückssache. Manche Radwege enden sogar abrupt in einem Sandhügel!

Schließlich habe ich den Zeltplatz doch erreicht und alles ist gut. Hier kann man sogar umsonst waschen und das hat Dörte gleich ausgenutzt. Wir bleiben hier 3 Nächte, um uns die Stadt und die Gegend anzusehen.

Neue Entwicklung bei den Snickers: Ich habe den ultimativen Snickers-Laden entdeckt:

Dienstag, 6. Juni 2017

Etappe 7: Staðarhús - Bjarteyjarsandur, 47 km

Gestern war die Ringstraße ziemlich voll von Verkehr (vermutlich Rückreiseverkehr vom Pfingstwochenende) und heute sollte es eigentlich durch Borganes und über einen langen Damm quer durch den Fjord gehen. Spontan habe ich mich deshalb gegen die Ringstraße entschieden und bin auf Nebenstraßen andersrum um den Berg Skarðsheiði gefahren. Das bedeutete heute für zwei Drittel der Strecke Schotterstraße und vielleicht mehr bergauf als auf der Straße „untenrum“. Bei der kurzen Strecke war das aber gut machbar.

Auffällig waren die vielen blauen Lupinen. Über den breiten Fluss, der in den Fjord mündete, musste ich natürlich auch – dafür gab es eine sehr schöne Brücke!

Es war wirklich ruhig auf der Strecke, insgesamt kamen mir etwa 15 Autos entgegen und 4 haben mich überholt. Dreimal wechselte ich das Tal und musste einen kleinen Berg überwinden, aber da war nichts dabei, was über 250 Höhenmeter ging. Dafür war es aber manchmal ziemlich steil – ich konnte es gerade noch fahren.

Unterwegs habe ich auch fliegende Schwäne gesehen:
Nach 42 km kam ich wieder auf eine asphaltierte Straße, die Nummer 47. Diese Straße führt um den Fjord Hvalfjörður und ich muss sie benutzen, weil die Ringstraße diesen Fjord untertunnelt. Und dieser Tunnel ist für Radfahrer verboten – macht locker 80 km Umweg!

Der Zielort ist eine Schaffarm und Dörte war sofort begeistert. Jetzt wissen wir, warum die Schafe hinten nicht geschoren wurden: Diese Rasse verliert die Wolle im vorderen Teil von alleine. Natürlich gibt’s auch einen Laden und Dörte hat sich gleich in ein Kleidungsstück verliebt. Die Gelegenheit, bei der man das tragen kann, muss aber erst noch erfunden werden...

Der Hit war aber der Hot Pot, der etwa einen Kilometer entfernt war. Zunächst wollten wir uns den nur ansehen und sind in unserem Auto der Bäuerin hinterhergefahren. Das ging nicht nur über Feldwege, sondern auch über Steinstrand am Meer. Auf dem Rückweg ist es dann passiert: Das Auto hatte sich festgefahren und kam ohne Hilfe nicht wieder raus.
Nachdem ein Seil geholt wurde, war es kein Problem mehr. Dörte ist dann anschließend sogar noch durch eine Furt gefahren.
Nach dem Abenteuer sind wir dann lieber mit den Badesachen zu Fuß zum Hot Pot gegangen.  Gewärmt wird er aus einer heißen Quelle, die über einen Schlauch in den Pool führt. Am Ende des Schlauchs ist ein Hahn, den man auf- und zudrehen kann, um die Temperatur zu regeln.

Anmerkungen von Dörte:
Nur um das mal festzuhalten: das Auto? hat sich festgefahren!? Ha!!! Ich fuhr hin und alles war okay. Jan wollte zurückfahren und fuhr sich fest. Zunächst haben wir versucht, die Räder freizubuddeln, hat aber nicht geklappt. Als die Isländer mit einem Seil kamen, bin ich wieder ans Steuer, Alles klar?
Ohne Jan habe ich übrigens noch einen kleinen Vulkan bestiegen (Anmerkung Jan: Grábrók). Rund 500 bequeme Stufen.

Montag, 5. Juni 2017

Etappe 6: Laurabakki - Staðarhús, 105 km

Heute gab es heftigen Nordwind, 12 m/s und in Böen sogar 15 m/s. Gut, dass es für mich Richtung Süden ging – mit den 8 Radfahrern, die mir begegnet sind, hätte ich nicht tauschen mögen. Dazu war es trocken und immer mal wieder kam die Sonne raus. Was will man mehr?

Eine Banane zur ersten Pause natürlich, aber die gab es heute auch – an einer Tankstelle. Ich habe jetzt die Tankstellen für mich entdeckt, die sind ideal um Snacks einzukaufen.

Mit Fotos sieht es heute etwas dürftig aus: Meine Kamera zickt rum (sie verlangt plötzlich superfrische Batterien, so etwa einen Satz für 10 Aufnahmen), ansonsten stellt sie den Dienst ein. Ich habe sie gleich im Auto gelassen. Leider vergaß ich dort auch mein Smartphone, sodass ich die Flussmündung in den Hrútafjörður gar nicht fotografieren konnte.

Trotz des starken Rückenwindes gab es anstrengende Passagen: Die ersten 11 km waren nicht genau nach Süden – und schon gab es fiesen störenden Seitenwind (eher Seitensturm). Was ein paar Grad da ausmachen können! Die andere anstrengende Passage war der heutige Berg Holtavörðuheiði. Mit 407 m Höhe war der allerdings nicht so schlimm und bot auf der anderen Seite eine schöne lange Abfahrt. Oben an der höchsten Stelle steht wie üblich ein Wettermast mit Webcams.

Bei km 36 und 63 hat Dörte jeweils auf mich gewartet, so konnte ich dann auch mit meinem Smartphone wieder fotografieren. Der zweite Treffpunkt war interessant: Hier hatte man den Blick auf eine Brücke der alten Hauptstraße von Reykjavik nach Akureyri. Zuerst gedacht für Handkarren, wurde die Straße 1930 auch für Autos geöffnet. Da wäre Dörte bestimmt nicht längs gefahren!

Jetzt war eigentlich nur noch Endspurt angesagt, die Sonne schien kontinuierlich und es wurde sogar etwas warm. Aber irgendwas ist immer: Der vorgesehene Campingplatz in Varmaland hatte keine Dusche (das dafür vorgesehene Schwimmbad war wegen Reparatur geschlossen) und das gefiel Dörte gar nicht. Sie hat dann eine alternative Unterkunft gefunden: Luxuriöses Gasthaus mit eigenem Zimmer sowie freier Benutzung des Hot Pots. Die Kreditkarte wird’s schon hergeben!

Anmerkungen von Dörte:
Das bedeutet dann auch endlich end of bad-hair-days. Schwefel im Hot Pot und dann die Haare an der Luft bzw. unter der Kapuze trocknen lassen ist nicht gut für die Frisur.