Donnerstag, 8. Juni 2017

Pausentag: Reykjanes und Reykjavík

Wir haben den Tag nach dem Frühstück mit einer Rundtour auf der Halbinsel Reykjanes begonnen. Eigentlich ist die ganze Halbinsel ein riesengroßes Lavafeld, das im 13. Jahrhundert entstanden ist. Darin gibt es sogar Lavahöhlen, eine haben wir uns kurz angesehen. Für die Suche nach dem Cache dort hätten wir aber Helm und Knieschützer sowie bessere Lampen mitnehmen müssen.

Das erste Ziel war die Blaue Lagune. Das ist eine der größten Sehenswürdigkeiten Islands, aber eigentlich ist es nur ein Thermal-Freibad mit milchig-blauem Wasser. Das Wasser hat dieselbe Farbe wie im Mývatn Nature Bath und es entsteht auf die gleiche Art und Weise: Die Abwässer eines Thermalkraftwerkes  werden mit kaltem Wasser auf Badetemperatur gebracht. Das alles findet hier in einer Lava-Landschaft statt, das wirkt schon sehr skurril und exklusiv. Wegen des hohen Preises (6100 Kronen in den Tagesrandzeiten), der Notwendigkeit im Internet vorzubuchen und weil wir in Myvatn schon in einem solchen Bad waren, haben wir auf den Besuch verzichtet. Wir haben aber einen Kaffee dort getrunken und konnten so von der Terrasse aus Fotos machen. Anders als angekündigt, war das Bad nicht überfüllt. Ich habe das Gefühl, dass man das jetzt über den Preis regelt und nur eine vernünftige Zahl von Leuten gleichzeitig reinlässt.
Nur wenige Kilometer weiter trafen wir auf Gunnuhver, eine beeindruckende heiße Schlammquelle.  Nachdem eine Fabrik 2006 angefangen hat, das heiße unterirdische Wasser zu nutzen, haben sich die Druckverhältnisse geändert und es hat sich der neue Krater gebildet. Durch den Dampf sind wir übrigens durchgegangen und waren hinterher klitschnass von kaltem Wasser, das offensichtlich mit hochgeschleudert wird.
Danach kamen wir zur Brücke zwischen den Kontinenten. Genau hier verläuft die Grenze zwischen der nordamerikanischen und eurasischen Platte. Man kann tatsächlich einen Graben sehen, der jedes Jahr 2 cm breiter wird und man kann ganz schnell zwischen Europa und Amerika hin- und herspazieren!
Wir haben dann noch einen Friedhof an einer hübschen Kapelle angesehen, bei einem Galgenfelsen zu Mittag gepicknickt und sind schließlich bis ganz an das Ende von Reykjanes zu den Leuchttürmen gefahren. Alles bei bestem Wetter!

Danach ging es zum Sightseeing nach Reykjavík. Dörte hat in der Tourist Information gesagt: Wir haben drei Stunden für die Stadt. Antwort: Für Reykjavík reicht das!
Rathaus von Reykjavík
Zuerst sind wir durch die Einkaufsstraße zur Hallgríms-Kirche gegangen. Das ist mal eine Kirche, die aus Beton gebaut ist und trotzdem elegant und filigran aussieht.
Hallgríms-Kirche

Der Innenraum ist riesig und fasst über 1000 Leute. Und die Orgel ist bei weitem die größte auf Island.
Jetzt ging es hinunter ans Wasser. Dort hat man aus Metall eine Skulptur in der Form eines Wikingerschiffes aufgestellt. Mit dem Hintergrund der schneebedeckten Berge auf der anderen Seite des Fjordes sieht das toll aus!
Den Schlusspunkt bildete dann die Elbphilharmonie Islands, die „Harpa“. Die ist natürlich nicht so schön, wie unsere Elphie, aber doch ganz beeindruckend. Schade, dass wir morgen Mittag keine Zeit haben – sonst hätten wir ein kostenloses Konzert anhören können. Hier haben wir übrigens Udo und Ulli wiedergetroffen.
Harpa von außen
Harpa von innen
Auf dem Rückweg habe ich noch ein Bild vom Pernan gemacht. Das ist die zentrale Warmwasser- und Heizungsversorgung von Reykjavik. Inzwischen bohrt man aber in den Vororten nach eigenen Warmwasserquellen. Es muss schon ein bisschen unheimlich sein, so „auf dem Feuer“ zu wohnen!

Mittwoch, 7. Juni 2017

Etappe 8: Bjarteyjarsandur - Hafnarfjörður, 82 km

Gestern Abend hat uns Doris, die alleine mit ihrem Camper seit Wochen unterwegs ist,  jede Menge Tips gegeben. Unter anderem den, einen anderen Campingplatz bei Reykjavík zu nehmen. Das war eine gute Idee, der Campingplatz in Hafnafjörður gefällt uns sehr gut. Die paar Kilometer mehr sind es bestimmt wert!

Heute gab es eisigen Wind. Im Norden hat es sogar geschneit, Dörte hätte dort jetzt Schneeketten gebraucht. Zum Glück war es hier im Südwesten nicht so schlimm, aber der Wind war wieder extrem stark. Auf den ersten 8 Kilometern bis zum Ende des Fjords hat mir das große Probleme bereitet – entweder als Gegen- oder als Seitenwind. Etwa einen Kilometer musste ich das Fahrrad schieben, weil ich mich auf dem Rad nicht hätte auf der Straße halten können. Zum Glück gibt es hier sehr wenig Verkehr, so dass ich auf der Mitte meiner Fahrbahn fahren konnte und bei Windböen von rechts oder links etwas Platz hatte. Nach etwa einer Stunde hatte ich das Ende des Fjords erreicht. Auf dem Foto sieht man, dass wir gerade Ebbe hatten.

Dörte hat auf der Südseite des Fjordes zweimal auf mich gewartet. Das waren immer Parkplätze mit der Aussicht auf schöne Wasserfälle.

Es waren jetzt immer noch 52 km zu fahren, aber der Wind ließ etwas nach. Der Theorie nach hätte er ja jetzt von hinten kommen sollen, aber das passt häufig nicht. Unten am Fjord fahren heißt im Übrigen auch nicht wirklich flach – bis auf über 100 Höhenmeter geht es immer wieder mal hoch. Meist wurde man dann aber mit tollen Ausblicken über den Fjord belohnt.
Schließlich erreichte ich wieder die Ringstraße und konnte auch verifizieren, dass das Radfahren auf der Tunnelstrecke verboten ist. Der Verkehr war ziemlich heftig und es gab auch ein brenzliges Überholmanöver. Ich habe mich dann entschieden, auf dem etwa 50 cm breiten Seitenstreifen mit Rüttel-Asphalt zu fahren – so ging es besser. Etwa 20 km vor Reykjavík kam ich dann auf eine 4-spurige Straße. Das wurde jetzt echt lästig, vor allem weil ich doch tolle Radwege in Reykjavík erwartet hatte. Nach etwa 10 km habe ich einfach eine Abfahrt genommen und versucht, mich so durchzuschlagen. Das ist ein bisschen blöde, wenn das Navi einen immer zurück auf die Hauptstraße senden will. Neben den Hauptstraßen laufen zwar meistens (aber nicht immer) Radwege, aber manchmal links und manchmal rechts daneben. Und wann man eine Unterführung oder Brücke nehmen soll oder nicht, ist Gefühls- und Glückssache. Manche Radwege enden sogar abrupt in einem Sandhügel!

Schließlich habe ich den Zeltplatz doch erreicht und alles ist gut. Hier kann man sogar umsonst waschen und das hat Dörte gleich ausgenutzt. Wir bleiben hier 3 Nächte, um uns die Stadt und die Gegend anzusehen.

Neue Entwicklung bei den Snickers: Ich habe den ultimativen Snickers-Laden entdeckt:

Dienstag, 6. Juni 2017

Etappe 7: Staðarhús - Bjarteyjarsandur, 47 km

Gestern war die Ringstraße ziemlich voll von Verkehr (vermutlich Rückreiseverkehr vom Pfingstwochenende) und heute sollte es eigentlich durch Borganes und über einen langen Damm quer durch den Fjord gehen. Spontan habe ich mich deshalb gegen die Ringstraße entschieden und bin auf Nebenstraßen andersrum um den Berg Skarðsheiði gefahren. Das bedeutete heute für zwei Drittel der Strecke Schotterstraße und vielleicht mehr bergauf als auf der Straße „untenrum“. Bei der kurzen Strecke war das aber gut machbar.

Auffällig waren die vielen blauen Lupinen. Über den breiten Fluss, der in den Fjord mündete, musste ich natürlich auch – dafür gab es eine sehr schöne Brücke!

Es war wirklich ruhig auf der Strecke, insgesamt kamen mir etwa 15 Autos entgegen und 4 haben mich überholt. Dreimal wechselte ich das Tal und musste einen kleinen Berg überwinden, aber da war nichts dabei, was über 250 Höhenmeter ging. Dafür war es aber manchmal ziemlich steil – ich konnte es gerade noch fahren.

Unterwegs habe ich auch fliegende Schwäne gesehen:
Nach 42 km kam ich wieder auf eine asphaltierte Straße, die Nummer 47. Diese Straße führt um den Fjord Hvalfjörður und ich muss sie benutzen, weil die Ringstraße diesen Fjord untertunnelt. Und dieser Tunnel ist für Radfahrer verboten – macht locker 80 km Umweg!

Der Zielort ist eine Schaffarm und Dörte war sofort begeistert. Jetzt wissen wir, warum die Schafe hinten nicht geschoren wurden: Diese Rasse verliert die Wolle im vorderen Teil von alleine. Natürlich gibt’s auch einen Laden und Dörte hat sich gleich in ein Kleidungsstück verliebt. Die Gelegenheit, bei der man das tragen kann, muss aber erst noch erfunden werden...

Der Hit war aber der Hot Pot, der etwa einen Kilometer entfernt war. Zunächst wollten wir uns den nur ansehen und sind in unserem Auto der Bäuerin hinterhergefahren. Das ging nicht nur über Feldwege, sondern auch über Steinstrand am Meer. Auf dem Rückweg ist es dann passiert: Das Auto hatte sich festgefahren und kam ohne Hilfe nicht wieder raus.
Nachdem ein Seil geholt wurde, war es kein Problem mehr. Dörte ist dann anschließend sogar noch durch eine Furt gefahren.
Nach dem Abenteuer sind wir dann lieber mit den Badesachen zu Fuß zum Hot Pot gegangen.  Gewärmt wird er aus einer heißen Quelle, die über einen Schlauch in den Pool führt. Am Ende des Schlauchs ist ein Hahn, den man auf- und zudrehen kann, um die Temperatur zu regeln.

Anmerkungen von Dörte:
Nur um das mal festzuhalten: das Auto? hat sich festgefahren!? Ha!!! Ich fuhr hin und alles war okay. Jan wollte zurückfahren und fuhr sich fest. Zunächst haben wir versucht, die Räder freizubuddeln, hat aber nicht geklappt. Als die Isländer mit einem Seil kamen, bin ich wieder ans Steuer, Alles klar?
Ohne Jan habe ich übrigens noch einen kleinen Vulkan bestiegen (Anmerkung Jan: Grábrók). Rund 500 bequeme Stufen.

Montag, 5. Juni 2017

Etappe 6: Laurabakki - Staðarhús, 105 km

Heute gab es heftigen Nordwind, 12 m/s und in Böen sogar 15 m/s. Gut, dass es für mich Richtung Süden ging – mit den 8 Radfahrern, die mir begegnet sind, hätte ich nicht tauschen mögen. Dazu war es trocken und immer mal wieder kam die Sonne raus. Was will man mehr?

Eine Banane zur ersten Pause natürlich, aber die gab es heute auch – an einer Tankstelle. Ich habe jetzt die Tankstellen für mich entdeckt, die sind ideal um Snacks einzukaufen.

Mit Fotos sieht es heute etwas dürftig aus: Meine Kamera zickt rum (sie verlangt plötzlich superfrische Batterien, so etwa einen Satz für 10 Aufnahmen), ansonsten stellt sie den Dienst ein. Ich habe sie gleich im Auto gelassen. Leider vergaß ich dort auch mein Smartphone, sodass ich die Flussmündung in den Hrútafjörður gar nicht fotografieren konnte.

Trotz des starken Rückenwindes gab es anstrengende Passagen: Die ersten 11 km waren nicht genau nach Süden – und schon gab es fiesen störenden Seitenwind (eher Seitensturm). Was ein paar Grad da ausmachen können! Die andere anstrengende Passage war der heutige Berg Holtavörðuheiði. Mit 407 m Höhe war der allerdings nicht so schlimm und bot auf der anderen Seite eine schöne lange Abfahrt. Oben an der höchsten Stelle steht wie üblich ein Wettermast mit Webcams.

Bei km 36 und 63 hat Dörte jeweils auf mich gewartet, so konnte ich dann auch mit meinem Smartphone wieder fotografieren. Der zweite Treffpunkt war interessant: Hier hatte man den Blick auf eine Brücke der alten Hauptstraße von Reykjavik nach Akureyri. Zuerst gedacht für Handkarren, wurde die Straße 1930 auch für Autos geöffnet. Da wäre Dörte bestimmt nicht längs gefahren!

Jetzt war eigentlich nur noch Endspurt angesagt, die Sonne schien kontinuierlich und es wurde sogar etwas warm. Aber irgendwas ist immer: Der vorgesehene Campingplatz in Varmaland hatte keine Dusche (das dafür vorgesehene Schwimmbad war wegen Reparatur geschlossen) und das gefiel Dörte gar nicht. Sie hat dann eine alternative Unterkunft gefunden: Luxuriöses Gasthaus mit eigenem Zimmer sowie freier Benutzung des Hot Pots. Die Kreditkarte wird’s schon hergeben!

Anmerkungen von Dörte:
Das bedeutet dann auch endlich end of bad-hair-days. Schwefel im Hot Pot und dann die Haare an der Luft bzw. unter der Kapuze trocknen lassen ist nicht gut für die Frisur.

Sonntag, 4. Juni 2017

Etappe 5: Varmahlíð - Laurabakki, 108 km

Das Wetter war heute nicht so freundlich wie gestern und deshalb hatte ich heute früh eigentlich gar nicht so große Lust auf eine Strecke von über 100 km. Das Frühstück habe ich deshalb lange ausgedehnt, aber um 10 Uhr hieß es dann doch: Losfahren!

Wenn auch nicht die Sonne schien, so hatte das Wetter doch sein Gutes: Es war trocken und fast windstill. Abgesehen von einem Berg auf den ersten 16 km war heute viel Flachstrecke (na ja, relativ flach) angesagt. Da macht der Wind schon sehr viel aus. Der erste Berg hatte es in sich, vor allem bei den ersten Kilometern. Bereits nach 7 km habe ich eine Pause gemacht. An dem Parkplatz stand ein Denkmal und daneben sollte ein Cache liegen, der aber leider nicht zu finden war. Dörte hat später das Denkmal fotografiert – mit einem Vogel drauf, der in dieselbe Richtung guckt wie der Mensch auf dem Relief.


Bei der Abfahrt traf ich 2 Radler, die die Ringstraße in anderer Richtung fahren. Sie sprachen von schlechtem Wetter in den letzten Tagen – da scheine ich ja Glück gehabt zu haben. Am Ende der Abfahrt, bevor die Ringstraße in das Tal Langidalur einbiegt, hat Dörte mit dem Käsebrot auf mich gewartet.

Obwohl es nicht mehr bergab ging, rollte es wegen der Windstille gut. Die Mittagspause habe ich in Blönduós an einer Tankstelle verbracht. Das war das erste Mal, dass ich die Gelegenheit bekam, selbst Geld auszugeben: 500 Kronen (=ca. 5 EUR) für eine Banane und ein Hot Dog. Geht eigentlich, ich weiß nicht, was Dörte immer so über die Preise stöhnt!

Von hier waren es noch 57 km bis zum Ziel, zunächst am Fjord entlang und dann durch leichte Hügellandschaft. An einer Brücke konnte ich einen letzten Wasserfall vor dem Meer von oben fotografieren:

Und dann begegneten mir die ersten Trolle. Zum Glück waren sie sehr freundlich!

Nach der  Ankunft auf dem Mini-Zeltplatz ging es erstmals in einen Hot Pot zur Entspannung. Dafür haben wir aber keine Elektrizität. Irgendwas ist immer ...



Anmerkungen von Dörte:
Ich habe heute erstmal einen Sonderausflug nach Glaumbær gemacht  - einen inzwischen denkmalgeschützten Hof aus ein bisschen Holz und ansonsten Grassoden. Nur die Küche ist ganz aus Stein, weil die Wände sonst wie Zunder brennen.
Vorderseite
Rückseite

Küche

Beeindruckend ist auch die Kirche in Blönduós.

Samstag, 3. Juni 2017

Etappe 4: Akureyri - Varmahlíð, 103 km

Heute bin ich bei strahlendem Sonnenschein mit nur 3 Schichten am Oberkörper losgefahren. Für alle Fälle waren drei weitere Schichten in der Gepäcktasche. Ich sollte aber nur die Regenmontur für einen Mini-Schauer benötigen. Mit anderen Worten: Es war ein Spitzentag mit viel Sonne, angenehmen Temperaturen von mehr als 8 Grad und toller Landschaft.
Zuerst ging es durch Akureyri. Im Hafen lag schon wieder ein neues Kreuzfahrtschiff, diesmal etwas kleiner.
Akureyri ist wirklich eine Stadt (18.000 Einwohner) und hat sogar eine eigene Universität. Alle anderen Orte, die wir bisher gesehen haben, sind klein dagegen. Bemerkenswert waren die Herzen beim Rotlicht auf den Ampeln!
Hinter Akureyri habe ich den Fjord verlassen und bin in das Öxnadal eingebogen. Das ist ein wunderschönes Tal zwischen schneebedeckten Bergen mit einem reißenden Fluss in der Mitte. Die Straße führt erstaunlich eng am Fluss entlang, eigentlich müsste das im Frühjahr zu Überflutungen führen. Das Tal war optimal für Radfahrer: Immer wieder einmal gab es eine „Stufe“ von etwa 1 km Länge mit stärkerer Steigung und dann war es wieder für ca. 5-10 km flach.
Bei km 39 hat Dörte auf mich an einem hübschen Parkplatz gewartet. Das Käsebrot statt Snickers hat mir sehr gefallen. Der Parkplatz ist zum Gedenken an den isländischen Dichter und Naturforscher Jónas Hallgrímsson angelegt worden. Er hat die erste Kurzgeschichte auf Isländisch geschrieben, die an seine Kindheit in diesem Tal erinnerte.
Die letzten 2,5 km vor der Passhöhe Öxnadalsheiði wurde es dann aber doch steil. Bei km 57 war ich oben, und ab dort sollte es – bis auf den Anstieg zum Zeltplatz – nur bergab gehen. An einem Parkplatz habe ich angehalten, um die neben der Straße verlaufende Schlucht zu fotografieren.
Irgendwo hier müssen mich Ulli und Udo mit ihrem Bus überholt haben: Ein Bus mit Hildesheimer Kennzeichen und 2 Fahrrädern hintendrauf ist in dieser Gegend vermutlich eindeutig. Nach 20 km Abfahrt hat mich plötzlich und unerwartet Gegenwind erwischt. Ich weiß nicht, welches physikalische Phänomen das verursachen kann: Überall weht der Wind aus Osten, aber in diesem Tal aus Westen! Ich habe mich nicht entmutigen lassen und den Kampf mit dem Wind als sportliche Herausforderung gesehen.

Bei Örlygsstađir hat mich dann doch noch ein kleiner Nieselschauer erwischt. Dafür hörte der Gegenwind hier auf. In Örlygsstađir hat am 21. August 1238 die größte Schlacht auf Island stattgefunden, die hier jemals geschlagen wurde: 1600 Leute auf der Seite der isländischen Häuptlinge gewannen gegen 1200 Leute auf der Seite des norwegischen Königshauses. Was das in der Nähe stehende Denkmal damit zu tun hatte, haben wir allerdings nicht herausfinden können. Es trug Jahreszahlen aus dem 19. Jahrhundert - das passt eigentlich nicht.
Der Zeltplatz in Varmahlíđ ist ein bisschen merkwürdig: Eine Rezeption und einen Aufenthaltsraum gibt es hier nicht. Haldur oder Hildur machen irgendwann die Runde und kassieren. Hauptsächlich wird der Zeltplatz von Isländern genutzt, die hier das Pfingstwochenende verbringen. Wir haben aber auch 2 französische Radfahrer getroffen, die morgen die Hochlandpiste F35 in Angriff nehmen wollen. Noch ist sie im Mittelteil gesperrt, aber sie hoffen, dass sie rechtzeitig geöffnet wird.

Anmerkungen von Dörte:
Die Schlucht, die vom Fluss gebildet wurde, hat mich auch gereizt. Vom Parkplatz aus war eine Brücke zu sehen und ich hatte den Eindruck,dass es eine gute Idee sein könnte, da mal runterzuspazieren. Waren dann 45 Minuten Gekraxel, aber ich hab´s geschafft. Ich muss mir unbedingt eine App runterladen um zu prüfen, wo Caches liegen. War eigentlich ein idealer Platz um was zu verstecken.

Freitag, 2. Juni 2017

Etappe 3: Mývatn – Akureyri, 106 km

Vorgestern und gestern Abend habe ich die Go-Partie jeweils mit ca. 20 Punkten verloren. Jetzt muss ich also wieder mit 4 Steinen spielen.

Heute früh war es so gemütlich im Bett, dass wir wieder sehr spät aufgestanden sind. Beim Frühstück haben wir uns über das Whale Watching vom Zielort aus informiert: Einfach kostet 100 Euro, im Speedboot kostet es 200 Euro. Für letzteres muss man über 1,45 m groß sein, in einen XXXL-Overall reinpassen und zwischen 10 und 65 Jahre alt sein. Außerdem dürfte man wegen der heftigen Stöße nicht schwanger sein. Das passte ja alles für Dörte ...

Erst gegen 10:30 Uhr bin ich losgekommen. Ich bin links rum um den Mývatn gefahren, Dörte rechts rum. Deshalb haben wir uns unterwegs nicht getroffen. Der  Mývatn ist schon ein toller See, eingerahmt von verschiedenartigem Lava-Gestein.

Nach dem See bei km 20 kam der erste Anstieg, der noch nicht so schlimm war. Es ging nicht wie erwartet den Abfluss des Mývatn längs, sondern in ein Parallel-Tal. Mit wenig auf und ab ging es durch Weidelandschaft bis km 40. Dort biegt die Ringstraße scharf nach links ab und es kam der zweite Anstieg, diesmal schon ordentlich. Auf der anderen Seite gab es dann eine tolle Abfahrt bis zum Goða-Foss, einem großen Wasserfall. Hier soll ein Häuptling nach der Entscheidung, zum Christentum überzutreten, die alten Götzenbilder ins Wasser geworfen haben.
Mit dem Rückenwind hat es heute nicht mehr so richtig geklappt, aber starken Gegenwind hatte ich zum Glück auch nicht. Das Tal wurde jetzt immer enger und links und rechts sah man schneebedeckte Berge.

Und dann kam der letzte Anstieg. Er kündigte sich zünftig an mit einem Parkplatz, an dem man die Schneeketten aufziehen konnte. Aber die brauchten wir dann heute zum Glück doch nicht. Es ging 4 km steil bergauf und dann kam eine 5 km-Abfahrt zum Fjord von Akureyri. Am Ortseingang habe ich dann die SMS gecheckt und tatsächlich, da war was Wichtiges: Der geplante Campingplatz war noch nicht geöffnet und Dörte hat einen Ersatz 5 km südlich gefunden. Leider auf einem Berg, das war nun der vierte und letzte Anstieg. Dörte war schon vom Whale Watching zurück und hat mir eine heiße Suppe gemacht. Der Aufenthaltsraum schließt hier um 10 Uhr abends, also wird es wohl nichts mit der Go-Partie.

Neues von der Snickers-Front: Heute habe ich eines zuviel verbraucht. Aber Dörte hat bei Netto ein Sonderangebot von 10 kleinen Snickers-Riegeln für 5 Euro gefunden (bei Netto in Egilsstaðir gab es übrigens gar keine Snickers). Die Versorgungslage ist also gesichert und mein Lebensmittelplan ad absurdum geführt!   

Anmerkungen von Dörte:
Ich habe Buckelwale gesehen!!!!!
Im Fjord lag ein Kreuzfahrtschiff und die "normale" Waltour war völlig ausgebucht – wohl schon von Bord aus. Aber das Speedboot war noch frei. Nur drei  Frauen interessierten sich für die Fahrt, wurden dann in Überlebensanzüge gesteckt und ab ging es. Ich kann gut nachvollziehen, warum Schwangere da nicht mitsollen, je nach Richtung der Wellen knallt das Boot doch sehr hart aufs Wasser und besser ist es, sich hinzustellen – ungefähr, wie einen texanischen Bullen zu reiten (nicht dass ich das schon mal gemacht hätte, stell ich mir nur so vor).
Aber dafür kommt man auch sehr nahe an die Wale. Drei Buckelwale – und einer hat sich aus dem Wasser geschraubt! Ein fantastisches Bild. Ich habe versprochen, nie Walfleisch zu essen.


Donnerstag, 1. Juni 2017

Pausentag am Mývatn

Heute Nacht habe ich so gut geschlafen, wie schon lange nicht mehr. Es lag wohl nicht nur daran, dass die Radfahrt gestern anstrengend war und dass ich gestern Abend 2 Bier getrunken habe. Entscheidend war wohl, dass Dörte bergauf geparkt hat und mein Kopf höher lag.
Morgens sind wir im Regen aufgestanden. Zum Glück konnten wir in aller Ruhe im Aufenthaltsraum frühstücken. Wir haben dann für eine weitere Nacht auf dem Campingplatz bezahlt und sind zum Námafjall-Sulfatarengebiet gefahren. Das ist das Gebiet, das sich Dörte schon gestern bei Sonnenschein angesehen hatte. Aber auch bei Regen hat es ordentlich im Schlamm geblubbert und die heißen Dämpfe zogen im Wind heftig zur Seite.


Danach ging es zum Detifoss. Unterwegs haben wir an einem Parkplatz bei einem Lavafeld  angehalten.

Hier haben wir festgestellt, dass Dörte bei dem Sturm unerwartete Probleme beim Einsteigen in das Auto bekommen kann. Wenn der Wind die Beifahrertür aufdrückte, dann konnte sie die Tür nicht selbst schließen.
Der Detifoss war großartig. Man musste einen knappen Kilometer vom Parkplatz aus gehen, aber das war kein Problem. Inzwischen hatte es aufgehört zu regnen, nur der starke Wind blieb. Und der war auf der Plattform unglaublich stark!

Danach sind wir zum Krafla-Kraftwerk gefahren. Dort haben wir einen Kratersee mit hellblauem Wasser angesehen.

Etwas weiter gab es einen schönen Rundweg zum Leirhnjúkur. Auch hier gab es Sulfatare, Lava in den verschiedensten Farben und schöne Ausblicke über Lavafelder.

Danach wollten wir noch einen Geocache machen. Wie der Zufall es so wollte, haben wir uns verfahren und landeten vor dem Mývatn Nature Bath. Wir haben es als Zeichen gedeutet und uns entschlossen, die 43 Euro pro Person auszugeben, um in dem warmen milchig-blauen Wasser zu baden. Heute gab es 10% Rabatt, weil das Wasser etwas kühler war – nur noch etwa 34 Grad.

Den Cache haben wir dann im Anschluss auch noch gemacht. Jetzt sitzen wir im Aufenthaltsraum zusammen mit Ulli und Udo, die wir auf dem Schiff kennengelernt hatten.

Anmerkungen von Dörte:
Mysterien der isländischen Natur: die Schafe sind nur vorn geschoren. Warum??? Vielleicht, damit sie keine Blasenentzündung bekommen???
Meiner Blasenentzündung habe ich vorgebeugt dadurch, dass ich im Bad (nur mal zur Info: es gibt auch bei den heutigen 10 Windstärken nur Außenbecken, lediglich die Umkleiden und die Duschen sind beheizt) eine Wollmütze aufgesetzt habe.